29. März 2022

Spinosaurus und Baryonyx gingen wahrscheinlich auf Tauchjagd, Suchomimus hingegen nicht


Nachdem vor zwei Jahren an einem Spinosaurus-Skelett eine Art Flossenschwanz entdeckt wurde (vgl. Nachricht vom April 2020), gab es intensive Diskussionen über die Lebensweise dieses Dinosauriers. Dass Spinosaurus semi-aquatisch lebte, also die Nähe zum Wasser suchte, galt nach dem Fund eines Spinosaurus-Skeletts im Jahr 2014 durch Nizar Ibrahim inzwischen als Konsens, zumal die kegelförmigen Zähne, wie sie bei vielen Fischräubern auftreten, die lange Schnauze mit den oben liegenden Nasenlöchern, die kurzen Hinterbeine und die paddelartigen Füße eine solche Lebensweise nahe legten. Aber wie sehr war Spinosaurus dem Wasser verbunden? Diese Frage blieb weiterhin offen.

Da die Anatomie bei der Lösung dieses Problems nicht weiterhalf, wählte ein Paläontologen-Team nun einen neuen Weg: Es sammelte Daten zur Knochendichte der Oberschenkel- und Rippenknochen bei rund 250 ausgestorbenen und noch lebenden Tierarten (von Tieren, die hauptsächlich im Wasser leb(t)en, von Tieren, die nur im Wasser wate(te)n und von Tieren, die an Land leb(t)en) und suchten nach Gemeinsamkeiten, die auf die Lebensweise der entsprechenden Tiere schließen ließen.

So fand das Team heraus, dass bei sämtlichen Tiergruppen, die − nachdem sie sich an Land entwickelt hatten − zurück ins Wasser gegangen waren, auch die Knochendichte zugenommen hatte. Dies zeigt sich z.B. bei heutigen Walen, bei Krokodilen und bei Pinguinen - aber ebenso auch bei Spinosaurus, der im Gebiet des heutigen Afrika lebte, sowie bei dem mit ihm verwandten Baryonyx, der seinen Lebensraum im heutigen Großbritannien hatte. Bei Suchomimus, der ebenfalls im heutigen Afrika lebte und große Ähnlichkeit zu Spinosaurus aufwies, konnte diese hohe Knochendichte jedoch nicht nachgewiesen werden. Er besaß die für Dinosaurier typische "Leichtbauweise" der Knochen.

Die Forscher sehen in diesen unterschiedlichen Knochendichten der verschiedenen Spinosaurier-Spezies Hinweise darauf, dass sowohl Spinosaurus als auch Baryonyx ihre Nahrung bei Tauchgängen erbeuteten, während Suchomimus sie als Lauerjäger eher reiherartig im flachen Wasser schnappte. Dass aber zumindest Baryonyx darüber hinaus auch noch an Land jagte, schließen die Forscher aus der Tatsache, dass sich im Bauchraum des ersten entdeckten Baryonyx-Fossils sowohl Schuppenreste als auch die Überreste eines jugendlichen pflanzenfressenden Dinosauriers finden ließen.

Allerdings verwirrt das hohe Rückensegel des Spinosaurus weiterhin die Forscher. Es wird vermutet, dass Spinosaurus kein sehr schneller Jäger war. Da aber an der Fundstelle des Spinosaurus auch Überreste von eher langsam schwimmenden prähistorischen Fischen gefunden wurden, könnte es durchaus sein, dass Spinosaurus gar nicht auf eine schnelle Jagd angewiesen war.

Und noch ein Umstand irritiert die Paläontologen: Während die ersten Tiere einer Gruppe, die ins Wasser zurückkehrte, für gewöhnlich eher klein waren (die ersten Meeressaurier waren zum Beispiel nur 1,20 bis 1,50 Meter lang), scheinen die Vorfahren von Spinosaurus und Baryonyx selbst schon Riesen gewesen zu sein.

(Übrigens fanden die Forscher auch bei den langhalsigen Sauropoden in den Oberschenkelknochen eine hohe Knochendichte vor, allerdings beschränkte sich diese auf die Gliedmaßen und durchzog nicht das komplette postcraniale Skelett. Daher vermuten die Forscher, dass die hohe Knochendichte der Gliedmaße auf das schwere Körpergewicht zurückzuführen ist und keineswegs auf einen (semi-)aquatischen Lebensstil verwies, zumal solche dichten Gliedmaßenknochen auch bei heutigen Elefanten und Nashörnern nachgewiesen werden können.)



weitere Informationen unter:

  • Spektrum.de:
    Der größte Raubsaurier jagte unter Wasser
  • National Geographic (engl.):
    Spinosaurus had penguin-like bones, a sign of hunting underwater
  • SciTechDaily (engl.):
    Dense Bones Allowed Spinosaurus The Biggest Carnivorous Dinosaur Ever Discovered To Hunt Underwater



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